Was kostet ein Kind
wirklich?
Nicht raten — rechnen. Mit Kindergeld, Steuervorteilen und den Kita-Kosten für euer Bundesland.
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Was kostet ein Kind pro Monat?
Laut Statistischem Bundesamt geben Familien in Deutschland durchschnittlich rund 700 € pro Monat für ein Kind aus. Dieser Wert variiert jedoch stark — je nach Wohnort, Lebensstil und ob das Kind in die Kita geht. Unser Rechner zeigt die individuellen Kosten basierend auf eurer Situation.
Was die Statistik nicht zeigt
Die reine Kostenzahl erzählt nur die halbe Geschichte. Familien erhalten Kindergeld (250 €/Monat), profitieren vom Kinderfreibetrag bei der Steuer und bekommen im ersten Jahr Elterngeld. All das reduziert die effektive Belastung erheblich. Bei vielen Familien liegen die realen Mehrkosten unter 300 € pro Monat — deutlich weniger als die meisten erwarten.
Kita-Kosten: Der größte Unterschied nach Bundesland
In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist die Kita beitragsfrei. In Baden-Württemberg oder Bayern können U3-Plätze 400 € und mehr kosten. Dieser einzelne Posten macht oft den größten Unterschied in der monatlichen Belastung aus. Der Rechner berücksichtigt die Regelungen eures Bundeslandes.
| Bundesland | U3 (unter 3 Jahre) | Ü3 (ab 3 Jahre) |
|---|---|---|
| Berlin | ~23 €/Mon. | beitragsfrei |
| Mecklenburg-Vorpommern | beitragsfrei | beitragsfrei |
| Hamburg | ~50 €/Mon. | beitragsfrei ab 1 |
| NRW | ~350 €/Mon. | letztes Jahr frei |
| Bayern | ~350 €/Mon. | ~100 €/Mon. |
| Baden-Württemberg | ~400 €/Mon. | ~200 €/Mon. |
| Hessen | ~300 €/Mon. | beitragsfrei |
| Niedersachsen | ~250 €/Mon. | beitragsfrei |
Richtwerte 2026. Genaue Kosten hängen von der Einrichtung, Träger und Betreuungszeit ab. Für alle 16 Bundesländer: Rechner oben.
Sparen beim ersten Kind
Der Ausgaben-Regler zeigt: Zwischen "sparsam" und "großzügig" liegen 200–300 € pro Monat Unterschied. Second-Hand-Kleidung, gestillte statt gekaufte Babynahrung und gebrauchte Ausstattung können das Budget erheblich entlasten — ohne dass dem Kind etwas fehlt.
Erstausstattung: Was braucht ihr wirklich?
Viele werdende Eltern überschätzen, was sie vor der Geburt kaufen müssen. Die echte Kernausstattung — Kinderwagen, Autositz, Bett, Schlafsäcke, Bodys, Wickelkommode — kostet neu zwischen 1.500 und 2.500 €. Gebraucht ist vieles für ein Drittel zu haben.
Was ihr dagegen wirklich neu kaufen solltet: Autositz (Sicherheit), Schlafsack (Norm EN 12934), Matratze (Hygiene). Alles andere — Wickelauflage, Babybadewanne, Bouncer, Stillkissen — lässt sich problemlos gebraucht beschaffen oder von Bekannten leihen. Viele Anschaffungen wie Laufrad oder Hochstuhl braucht ihr erst ab Monat 6 bis 12; kauft erst, wenn ihr wisst, was wirklich passt.
Elterngeld, Kindergeld und Steuern: Was der Staat beisteuert
Im ersten Lebensjahr reduzieren staatliche Leistungen die tatsächliche Belastung erheblich. Kindergeld (250 €/Monat) gibt es ab Geburt automatisch. Elterngeld ersetzt 65 % des Netto-Einkommens — bei einem Netto von 2.000 € wären das 1.300 € monatlich über bis zu 14 Monate.
Dazu kommt der steuerliche Kinderfreibetrag (8.748 € pro Kind, 2026): Er entlastet Familien mit höherem Einkommen in der Steuererklärung spürbar, falls der Freibetrag günstiger ist als das Kindergeld. Das Finanzamt prüft beides automatisch und wählt die für euch günstigere Variante.
Wer die Zahlen zusammenrechnet, stellt fest: Im ersten Jahr kann der Staat über alle Leistungen hinweg 15.000 bis 20.000 € beisteuern — je nach Einkommen und Elterngeld-Strategie. Das Kosten-Bild sieht damit deutlich entspannter aus als die rohen Ausgabenzahlen suggerieren.
Die Elterngeld-Lücke: Was trotzdem fehlt
Elterngeld klingt nach voller Absicherung — ersetzt aber nur 65 % des BEEG-Nettos, nicht das volle Gehalt. Wer 3.000 € netto hatte, bekommt rund 1.300–1.400 € Elterngeld. Die verbleibenden 1.600 € sind die sogenannte Elterngeld-Lücke: der Einkommensausfall, der trotz staatlicher Hilfe bleibt.
| Nettoeinkommen | Elterngeld (65 %) | Lücke / Monat |
|---|---|---|
| 1.200 € | 780 € | 420 € |
| 1.800 € | 1.170 € | 630 € |
| 2.500 € | 1.625 € | 875 € |
| 3.000 € | 1.800 € (Kappung) | 1.200 € |
| 4.000 € | 1.800 € (Kappung) | 2.200 € |
BEEG-Netto ≈ Nettoeinkommen (vereinfacht). Exakte Werte hängen von Steuerklasse und Krankenversicherung ab.
Je höher das Einkommen, desto größer fällt die Lücke aus — weil der Elterngeld-Höchstsatz bei 1.800 €/Monat gekappt ist. Familien mit hohem Einkommen müssen für die Elternzeit-Monate entsprechend mehr Ersparnisse einplanen.
Eine sorgfältige Planung der Elterngeld-Monate, der Steuerklasse und des Bezugszeitraums kann die Lücke merklich verkleinern. Mit dem Elterngeld-Planner lassen sich verschiedene Szenarien direkt vergleichen — und mit dem Steuerklassen-Rechner prüfen, ob ein Wechsel zu Klasse III den Elterngeld-Betrag erhöht.
Versteckte Kosten, die oft vergessen werden
Der Rechner erfasst die laufenden Posten — aber manche Kosten tauchen erst später auf oder werden systematisch unterschätzt:
- Wohnraumanpassung: Eine größere Wohnung kostet oft mehr als alles andere zusammen — 200 bis 500 € Mehrmiete pro Monat sind in Städten typisch.
- Einkommensverlust: Wer nach der Elternzeit in Teilzeit arbeitet, verliert langfristig Rentenansprüche und Gehaltserhöhungen — ein Effekt, den keine Kostentabelle erfasst.
- Krankheitstage: Kleinkinder sind häufig krank; jeder Elternteil hat Anspruch auf 15 Kinderkrankentage pro Kind (30 bei Alleinerziehenden). Bei vielen Arbeitgebern gibt es dennoch Einkommensverlust bei häufigen Fehlzeiten.
- Freizeitkosten: Babyschwimmen, Krabbelgruppe, Musikschule — ab Monat 6 kommen Aktivitäten hinzu, die schnell 50–100 € pro Monat kosten können.